Handgemachter Biergenuss (Sächsische Zeitung)

Zapfen biszum Überlaufen: An der Zapfanlage der Brauerei mit dem „C“ wie Cvikov südlich des Zittauer Gebirges werden täglich fünf verschiedene Biere ausgeschenkt. Im stilvoll restaurierten ehemaligen Mälzerei gebäude bleibt garantiert keine Kehle trocken.

Jedes Jahr machen in Tschechien neue Kleinbrauereien auf. Wo sich im Grenzgebiet eine Kostprobe besonders lohnt.
Cvikov. In der Schrotkammer ein Foto mit Vaclav Havel als Brauereiarbeiter und bei den Sudpfannen ein Kruzifix an der Wand. Das Bier in Cvikov (Zwickau in Böhmen) wird mit Überzeugung gebraut. Der Eigentümer  und  Elektrohändler  Jiri  Jakoubek aus Novy Bor (Haida) und seine rechte Hand Viktor Tkadlec haben die seit den 1960er- Jahren stillgelegte Brauerei Ende 2014 wieder eröffnet. Das kommt in Böhmen nicht oft vor. Den beiden ging es um Originaltreue, obwohl von den Brauanlagen nichts mehr übrig war. Deshalb fuhr Tkadlec extra bis ins württembergische Wiesensteig, um  ein  kupfernes  Doppelbehälter-Sudwerk zu demontieren. Das hat nicht jede Brauerei, so wenig wie auch die offenen Gärwannen im Keller. Traditionspflege und regionale Verankerung zeigen sich auch beim Brauen. Das Leichtbier Sklar (Glasbläser) ist, wie der Name schon sagt, für Glasbläser gedacht. Nur acht Grad Stammwürze und entsprechend wenig Alkohol – früher war es das übliche Erfrischungsgetränk in der Region. In den Glashütten kommt das an: „Allein Ajeto in Lindava nimmt drei Fässer die Woche ab“, sagt Tkadlec.

Etwas hat sich aber verändert: In die Mälzerei zog das Restaurant „Sladovna“ (Mälzerei) ein. Eine gute Entscheidung, denn in der typisch böhmischen Bierhalle mit Gewölbe lässt es sich nicht nur zünftig trinken, sondern auch gut speisen. Gäste können aus fünf Biersorten zwischen 23 und 30 Kronen je halben Liter wählen. Darunter  auch  ein  gefiltertes  Bier,  was  bei
Kleinbrauereien   ungewöhnlich   ist.   Das Wasser  kommt  aus  eigener  Quelle,  der Hopfen aus Zatec (Saaz), das Malz aus Mähren. Die Biere tragen die Namen der Gipfel der Region – Luz (Lausche), Hvozd (Hochwald) und Klic (Kleis) – und können in PET- Flaschen mitgenommen werden.

Wer es nicht bis nach Cvikov schafft: Die Brauerei hat Ambitionen, wie früher eine Regionalbrauerei zu werden. Schon heute wird ihr Bier in 150 Restaurants gezapft. (stn)

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